| Geschichte:
Der Bayrische Gebirgsschweißhund ist genauso wie der Hannoversche
Schweißhund darauf spezialisiert, verletztes Hochwild aufzuspüren, indem
er der Spur verlorenen Blutes folgt, die das angeschossene Wild hinter
sich herzieht. Diese Jagddisziplin stammt aus dem Mittelalter. Die Waffen,
über die man in der damaligen zeit verfügte, wie z. B. Bogen, Armbrust
und Hakenbüchse, waren noch sehr unpräzise, und mit ihnen gelang es nur
selten, das Wild gleich auf Anhieb zu töten, so daß man auf die Arbeit
eines Schweißhundes kaum verzichten konnte. Gaston Phébus schrieb dazu
im Jahr 1387: "Es ist ein großes Vergnügen und eine sehr schöne
Jagd, wenn man einen Stöberhund und einen guten Hund für das Blut
hat...".
Die Germanen waren sorgfältig darauf bedacht, ihre Jagdgebiete
gründlich zu durchkämmen, um nichts von ihrem wertvollen
"Kapital" zu verlieren. Und so entwickelten sie eine regelrechte
Technik, um die Blutspur des verletzten Wildes zu verfolgen. Sie zogen
Laufhunde auf, die eine sehr feine Nase und ein starkes Knochengerüst,
einen breiten Fang, Hängeohren und einen ruhigen Charakter hatten und
mittelgroß sowie sehr gewissenhaft waren. Diese Charaktereigenschaften
entsprechen einem Hundetypus, der schon sehr lange bekannt ist, eine Art
Urjagdhund, den man auch auf frühen Abbildungen findet. Solche Hunde
wurden mit dem heute noch geläufigen Wort "Bracken" bezeichnet.
Der Bayrische Gebirgsschweißhund ist gegen Ende des 19. Jahrhunderts
aus einer Kreuzung von Hannoverschem Schweißhund mit Laufhundrassen aus
den bayerischen und tiroler Alpen (Tiroler Bracke, Brandlbracke,
Dachsbracke) entstanden. Man wollte in den Bergrevieren einen leichteren
Schweißhund, als es der Hannoversche war. Sehr schnell stellte sich
heraus, daß der Bayerische Gebirgsschweißhund tatsächlich hervorragend
für die Arbeit im Gebirge geeignet war, und im Jahr 1912 wurde dann der
"Klub für Bayrische Gebirgsschweißhunde" mit Sitz in München
gegründet. Bald erfreute sich dieser Hund auch in Österreich und in
Ungarn großer Beleibtheit. In anderen europäischen Ländern dauerte es
wesentlich länger, bis der Bayerische Gebirgsschweißhund eine gewisse
Beliebtheit erreichte. In Frankreich z. B. wurde die Rasse erst in den
60er Jahren des 20. Jahrhunderts bekannter, und zwar zunächst im Elsaß
und in Lothringen.
Wesen, Haltung:
Der Bayrische Gebirgsschweißhund gehört laut FCI-Standard zur Gruppe
6 "Laufhunde und Schweißhunde". Im Gegensatz zu den Laufhunden,
die auf kalter Gesundfährte arbeiten, verrichten die Schweißhunde ihre
Aufgabe auf der Wundfährte; d.h., sie spüren das durch die Jagdwaffe
verwundete Wild auf.
Die Suche auf der Wundfährte ist keineswegs ein neumodischer Sport,
sondern sie ist Teil einer schon sehr alten Jagdtradition. Zum einen
trägt der Bayrische Gebirgsschweißhund durch seine Arbeit in
entscheidender Weise dazu bei, den Wildbestand in manchen Gebieten zu
regulieren - das ist nämlich die Aufgabe richtiger Jäger, die sich ihrer
Verantwortung bewußt sind - und zum anderen hilft der Hund, den Leiden
des verletzten Tieres so schnell wie möglich ein Ende zu bereiten, denn
das ist Teil der Jagdethik. Dilettanten und Amateure haben bei dieser Art
der Jagd nichts verloren. Nur richtige, professionelle Jäger sind in der
Lage, auf diese Weise zu jagen und mit solchen Hunden wie dem Bayrischen
Gebirgsschweißhund umzugehen. Auch Welpen werden nur an entsprechend
ausgebildete Hundeführer abgegeben, und es gibt eine sehr ausgeklügelt
ausgearbeitete Warteliste, die stets aktualisiert wird.
Natürlich hat der Einsatz von Schweißhunden auf der Wundfährte in
erster Linie zum Ziel, dem Leiden des angeschossenen Wildes möglichst
schnell ein Ende zu bereiten, doch es gibt noch einen anderen Grund
dafür, der durchaus seine Berechtigung hat: Das Fleisch von verletztem
Hochwild soll nicht verderben, denn es hat einen hohen Marktwert und kann
nach erfolgreicher Jagd als Wildbret verkauft und verspeist werden.
Damit der Bayrische Gebirgsschweißhund wirklich sein Bestes gibt, muß
der Hund von seinem Herren an einer langen Leine geführt werden, der sog.
Schweißleine, die zwischen 7 und 12 Meter lang ist. Der Jäger darf auf
keinen Fall ungeduldig werden, denn das würde dann der Hund sofort
spüren. Wenn der Hund seinerseits nervös wird , ist es die Aufgabe des
Hundeführers, der das Verhalten seines Hundes genau kennen muß, ihn zu
beruhigen und ihn wieder in die richtige Richtung zu lenken. Doch der
Hundeführer muß es auch verstehen, seinem Hund die nötige
Handlungsfreiheit zu gewähren. Kurz gesagt, die beiden müssen eine
harmonische Beziehung haben und gut aufeinander eingespielt sein.
Der Bayrische Gebirgsschweißhund darf nicht allzu weit von den
Jagdgebieten leben, in denen er eingesetzt wird. Ursprünglich wurde er
für den Einsatz in den Alpen gezüchtet, und folglich fühlt er sich vor
allem in gebirgigen Gegenden sehr wohl. Er ist sehr umgänglich im
Zusammenleben mit Menschen und hat eine sehr enge Bindung an seinen
Herren, so daß er sich problemlos auch im Haus aufhalten kann und im
Garten frei umherlaufen darf. Ist das nicht möglich oder unerwünscht,
kann man ihn auch in einem artgerechten Zwinger halten, der nur ihm
vorbehalten ist. Der Hund braucht genügend Platz, um ohne Einengung
laufen und spielen zu können.
Ernährung, Pflege:
Außerhalb der Jagdsaison brauch der Bayrische Gebirgsschweißhund 450
bis 500 g Trockenfutter täglich. Natürlich kann man auch Frischfutter
servieren: 350 g Fleisch, dazu 175 g Gemüse und ebensoviel Nudeln oder
Reis. Innereien sind, durch den den Fleischwolf gedreht, auch ein gutes
Nahrungsmittel, besonders für Welpen oder junge Hunde. Eier enthalten
viele wertvolle Stoffe: Sie sind reich an Vitaminen, Fetten und Kalzium.
Während der Jagdsaison kann man ihm zusätzlich auch Speck oder
fettreiches Fleisch geben, damit er genug Kalorien bekommt.
Das Fell braucht keine besondere Pflege. Es muß nur ab und zu
durchgebürstet werden, damit die losen Haare aus dem Fell entfernt
werden. Außerdem fängt er sich sehr leicht Parasiten ein, wenn er durch
die freie Natur streift. Tägliche Untersuchung des Hundes auf Zecken etc.
ist Pflicht.
Widerristhöhe: 47 bis 52 cm für Rüden, 44 bis 48 für Hündinnen.
Gewicht: 20 bis 25 kg.
Farbe:
Von tiefrot und rotbraun bis fahlgelb und semmelfarben reichen; auf dem
Rücken ist die Grundfarbe meist intensiver; Fang und Behang dunkel; Rute
meistens dunkel gestichelt.
Durchschnittliche Lebenserwartung: 12 Jahre
Andere Namen: Bavarian Mountain Dog
Anerkennung durch:
FCI (Fédération Cynologie International)
FCI-Gruppe 6: Lauf- und Schweißhunde zur Lauf- und Meutehunde Übersicht |
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