Hunderassen Mastino Napoletano

Mastino Napoletano

Geschichte:
Der Mastino Napoletano stammt ursprünglich von großen römischen Molosserhunden ab. Im Zirkus mußten diese Kolosse gegen Gladiatoren und wilde Tiere kämpfen; den römischen Legionen leisteten sie wertvolle Dienste bei ihren Eroberungszügen. Und nachts bewachten sie die Villen der reichen Patrizierfamilien. Columella, der im 1. Jahrhundert n. Ch. das Leben im Alten Rom für die Nachwelt festhielt, zeichnete das Porträt dieses imposanten Vierbeiners: "Ein Hund, der das Haus bewacht, muß schwarz oder zumindest von dunkler Farbe sein, denn kommen die Diebe bei Tage, flößt ihm seine dunkle Gestalt Furcht ein; kommen sie in der Dunkelheit, verschmilzt der Hund mit dem Schatten der Nacht, so daß er unbemerkt angreifen kann."

Sicherlich gab es solche Hunde nicht nur in der Stadt Rom, sondern in ganz Italien, so auch rund um den Vesuv und in Neapel. Selbstverständlich überlebten Sie auch die Römerzeit. Möglicherweise sind auch spanische Hunde vom Typ Perro de presa an der Entstehung der Rasse beteiligt gewesen. Mit den modernen Zeiten wurden diese großen Hunde jedoch immer seltener, und infolge der beiden Weltkriege sank der Bestand auf ein bedrohliches Minimum. Anläßlich der ersten neapolitanischen Hundeschau 1946 sprechen. Verdient gemacht hat sich hierbei der Schriftsteller Peitro Scanziani: In seinem Zwinger sammelte er die besten Vertreter der Rasse. Seit 1972 trifft man den Mastino Napoletano auch außerhalb seiner Heimat, z. B. in Deutschland, Holland und Frankreich.

Es wurde behauptet, daß die Bezeichnung "Mastino" eine Zusammensetzung der keltischen Wörter "mas" und "tiun" sei, die soviel bedeutete wie "Haus bewachen". Eine Sprachwissenschaftlerin geht jedoch vielmehr von dem lateinischen Wort "mast" aus, das etwa "befestigte Anlage" bedeutet, und das mit den Römern verbreite wurde. So finden sich den entsprechende Bezeichnungen für Hunde vom Molossertyp auch in anderen europäischen Sprachen: Matin (französisch), Mastín (spanisch), Mastiff (englisch).

Vor gar nicht allzu langer Zeit war Neapel noch ein ziemlich heißes Pflaster. Angehörige privater Sicherheitsdienste patrouilierten nachts durch die Besitztümer ihrer Auftraggeber. Mit dabei: kräftige, aschfarbene Hunde, die sog. "Mastini"... Doch auch Erpresser und Banditen hatten die Qualitäten der massigen Vierbeiner erkannt und wußten sie für ihre Zwecke zu nutzen! Zu Beginn des 20. Jahrhunderts lebte der Mastino Napoletano also keineswegs in geordneten Verhältnissen, sondern war häufig auch in der Unterwelt zu Hause.

Wesen, Haltung:
Der Mastino Napoletano sieht aus, als könne er kein Wässerchen trüben - und dieser Eindruck ist nicht einmal falsch. Wenn er streng erzogen wird, in einem harmonischen Umfeld aufwächst und zudem einer guten Linie entstammt, stellt er keine Gefahr dar. Ein liebenswürdiger Koloß, der Ihr Vertrauen voll und ganz verdient.

Zugegeben: Sein Gesicht ist reichlich gewöhnungsbedürftig! Riesengroß und im Verhältnis zum Rumpf auch sehr massig, mit endlos langen Lefzen. Das Rot seiner Zunge, des Gaumens und der manchmal sichtbaren Bindehaut steht in klarem Kontrast zur dunklen Farbe des Fells. All das wirkt nicht unbedingt vertrauenserweckend, und man erkennt auf Anhieb, daß mit ihm nicht zu spaßen ist - auf Provokation reagiert er kompromißlos! Hinter seinem furchtbaren Äußeren verbirgt sich jedoch auch eine gutmütige Seite. Die Italiener vergleichen ihren Mastino häufig mit einem Nilpferd. Auch Bären und Großkatzen wurden schon mit ihm auf eine Stufe gestellt. Von seiner täppischen Schwerfälligkeit und dem wiegenden Gang sollte man sich auf keinen täuschen lassen: Obwohl er immer ein wenig träge wirkt, reagiert er blitzschnell, wenn es darauf ankommt. Als Gladiator im Alten Rom hatte man ohne gute Reflexe schließlich keine Chance!

Seine Vergangenheit als Kampfhund hat er inzwischen weit hinter sich gelassen und ist zu einem richtig zivilisierten Vierbeiner geworden. Wer mit ihm leben möchte, sollte ihn streng erziehen, immer die Ruhe bewahren, viel Geduld mitbringen und ihn möglichst nicht aufregen. Binden Sie ihn bitte nicht an, sondern bemühen Sie sich um einen guten Draht zur Außenwelt. Nehmen Sie ihn von klein auf fest an die Pfote, lassen Sie ihn am Familienleben teilhaben, hätscheln und verwöhnen Sie ihn, dann wächst Ihr Hund zu einem gemütlichen Großvatertier heran, das Sie schützt, Ihnen treu ergeben ist - und von dem Sie nichts zu befürchten haben.

Seine gigantische Statur und das beträchtliche Gewicht halten ihn übrigens keineswegs davon ab, Sport zu treiben - im Gegenteil! Er ist athletisch gebaut, trabt, springt und schwimmt gern, und leidenschaftliche Spaziergänger können sich keinen besseren Begleiter wünschen. Daß man unterwegs auch mal Fremde trifft, läßt sich natürlich nicht vermeiden, stellt aber kein Problem dar, denn nur zu Hause sieht sich der Mastino als Wachhund gefordert und läßt niemanden über die Schwelle.

Der Mastino Napoletano unterhält beste Beziehungen zu den kleinen Leuten, er liebt sie von ganzem Herzen und beschützt sie, so gut er kann. Die Hündin ist sanftmütiger als der Rüde, der bei Spielen oft seine Kraft unterschätzt. Beide haben jedoch auch ihren Stolz und werden nicht gern gekitzelt oder geneckt. Ihre Kinder sollten das also respektieren!

Selbst wenn man den Mastino Napoletano inzwischen sogar in der Großstadt trifft - wo er sich vor einem Antiquitätengeschäft oder einer schicken Boutique natürlich gut macht -, müßte doch eigentlich klar sein, daß das vierbeiniger Schwergewicht dort nichts zu suchen hat. Viele begeistern sich für sein extravagantes Aussehen, was die steigenden Geburtenraten der Rasse belegen. Sein Platz ist jedoch eindeutig auf dem Land, denn trotz seiner wuchtigen Erscheinung braucht das dynamische Energiebündel enorm viel Auslauf. Er galoppiert zwar nur selten, legt aber mit ausgreifenden Schritten weite Strecken zurück. Kälte macht ihm nichts aus, so daß er ganzjährig draußen schlafen kann. Stellen Sie seine Hütte an einen geschützten Platz mit Blick auf die Straße: So kann er Tag und Nacht Wache stehen (bzw. liegen). Ins Haus lassen sollten Sie ihn nur, wenn er sicher die Ruhe bewahrt, sonst können Sie herumstehende Vasen gleich auf den Müll werfen! Lassen Sie auch kein Essen offen herumstehen: Dieser Hund reicht an jeden Tisch heran, so daß er sich - bei Bedarf - bedient.

Ernährung, Pflege:
Der Mastino Napoletano ist ein Vielfraß! Der 70 kg schwere Hund vertilgt gut und gerne 1 kg Fleisch am Tag, dazu 500 g Reis oder Nudeln sowie 500 g Gemüse, Extra-Vitamine und -Mineralien für ein gesundes Fell kommen dazu. Der frißt Ihnen die Haare vom Kopf! Daher sollten Sie ihm von Anfang an Fertigfutter vorsetzen (am besten gleich Riesenpackung kaufen), das ist praktischer und auf jeden Fall preiswerter, selbst wenn sein ohnehin großes Geschäft dann noch umfangreicher ausfällt. Der Mastino Napoletano braucht drei Jahre, bis er ausgewachsen ist, und vor allem in dieser Phase sollten sie Wert auf gesunde, ausgewogene Kost legen. Schließlich vervielfacht er sein Geburtsgewicht um einiges! Ein klärendes Gespräch mit dem Tierarzt zu diesem Thema kann ebenfalls nicht schaden.

Das kurze Fell ist wenig pflegebedürftig und muß nur einmal wöchentlich gebürstet werden. Ihr Mastino genießt diese Behandlung, die er als etwas rauhe Form der Zärtlichkeit begreift! Achten Sie darauf, daß seine Haut besonders in den zahlreichen Falten immer trocken ist - hier können sonst leicht Entzündungen entstehen.

Widerristhöhe: 65 bis 75 für Rüden, 60 bis 68 für Hündinnen.

Gewicht: 50 bis 70 kg und mehr für beide Geschlechter.

Farbe:
Die bevorzugten Farben sind Grau, Bleigrau und Schwarz, aber auch Braun, Falb und Hirschrot, manchmal mit kleinen weißen Flecken an Brust und Zehenspitzen; alle Farben dürfen gestromt sein.

Durchschnittliche Lebenserwartung: 12 Jahre

Andere Namen: Neapolitan Mastiff.

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