Hunderassen Holländischer Schäferhund

Holländischer Schäferhund

Geschichte:
Schon im 16. Jahrhundert florierten in den Niederlanden Handel und Wirtschaft. Die günstige Küstenlage erleichterte nicht nur den Austausch von Waren, sondern brachte auch viele Fremde - Menschen und Tiere - ins Land. Kein Schäferhund konnte daher auf die Dauer rein bleiben, was dazu führte, daß sich bis zum Beginn es 19. Jahrhunderts keine einheitlichen Rassen ausmachen ließen. Das störte damals jedoch niemanden. Auf einen Schäferhund mußte Verlaß sein, er sollte die Schafe bewachen und hüten - allein darauf kam es an. Erst im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts begann man sich von kynologischer Seite her für die einheimischen Schäferhunde zu interessieren. Das lag aber am Zug der Zeit, denn im benachbarten Deutschland verhalf Rittmeister von Stephanitz dem Deutschen Schäferhund zu internationaler Anerkennung, und in Belgien stand ungefähr zur gleichen Zeit unter der Regie von Professor Reul das belgische Gegenstück.

Die holländischen Hundezüchter machten sich also daran, einen eigenen Schäferhund zu züchten. Da besonders der belgische Malinois bei den Niederländern gut ankam, kreuzten sie ihn zunächst mit ihren heimischen Vierbeinern. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen, denn der so entstandene Hund besaß nicht nur die ausgezeichneten Qualitäten seiner Vorfahren, sondern taugte auch zum Wach- und Schutzhund. Die neue Rasse fand vor allem auf den westfriesischen Inseln im Norden der Niederlande schnell Verbreitung. Dort wird bis heute intensiv die Schaf- und Rinderzucht betrieben, und beim "Hollandse Herdershond", wie ihn die Einheimischen nennen, sind die Tiere wirklich in den besten "Pfoten". Auf Vlieland und Texel hat fast jeder Landwirt einen vierbeinigen Helfer.

In seiner Heimat ist der Holländische Schäferhund sehr beliebt: Hier arbeitet er nicht nur auf dem Land, sondern wird auch in Dörfern und Kleinstädten als Wächter eingesetzt. Im Ausland hat er allerdings bisher kaum Freunde gefunden. Der Grund ist wohl darin zu sehen, daß der Hund, sobald er nur die Pfote außer Landes setzt, sofort auf die übermächtige Konkurrenz aus Deutschland und Belgien trifft. Der Ruf der dortigen Kollegen läßt sich wohl kaum mehr einholen, obwohl es inzwischen auch einige weniger Herdershond-Züchter in Belgien, Dänemark, Finnland und Frankreich gibt.

Den Holländischen Schäferhund gibt es in drei Varianten: mit kurzem Haar (am meisten verbreitet) sowie mit rauhem oder langem Haar. Die Art des Fells hat jedoch keinerlei Einfluß auf die zahlreichen Talente der Rasse: Der Hollandse Herdershond überzeugt durch Kraft und Widerstandsfähigkeit, dem häufig rauhem Klima seiner Heimat ist er bestens gewachsen.

Wesen, Haltung:
Der Holländische Schäferhund ist ein kraftvoller, athletischer Vierbeiner, von dem so viel natürliche Autorität ausgeht, daß ihm all seine Schützlinge bedingungslos gehorchen. Er hat eine starke Persönlichkeit, weiß sich immer und überall Respekt zu verschaffen und verliert kaum einmal die Beherrschung. Der technische Fortschritt macht jedoch auch vor der Landwirtschaft nicht halt, und es ist bereits abzusehen, daß man den klassischen Schäferhund irgendwann nicht mehr benötigt. Der Herdershond trägt es mit Fassung: Auf Feldern und Wiesen fühlt er sich zwar pudelwohl, aber auch neuen Aufgaben sieht er gespannt entgegen.

Sein Beschützerinstinkt beschränkt sich nicht nur auf Rinder und Schafe, er fühlt sich auch für seine Menschen verantwortlich. Mittlerweile trifft man nämlich den rauhen Naturburschen schon häufig in der Stadt, wo er sich mit Hilfe seiner Intelligenz, seiner Vernunft und seines hervorragenden Gedächtnisses zum beliebten Wachhund gemausert hat. Gefährlich ist der Herdershond im Grunde nicht, und im Gegensatz zu seinen belgischen Kollegen reagiert er nur selten übertrieben empfindlich und läßt sich gut kontrollieren, sofern er ordentlich erzogen ist.

Der Holländische Schäferhund nimmt mit großem Erfolg an Schutzhundprüfungen teil, wo er sich inzwischen sogar mit dem Malinois messen kann. Viele Halter legen jedoch gar keinen Wert auf einen perfekt dressierten Hund, sondern wünschen sich einen mutigen, treuen, lieben und zärtlichen Kameraden - Qualitäten, die der Herdershond durchaus zu bieten hat. Den Herdentieren ließ er zwar wenig Nachsicht walten, doch im Umgang mit Menschen zeigt er sich wesentlich sanfter und hat sich sehr schnell zum idealen Familienhund gemausert: Herrchen und Frauchen folgt er aufs Wort, und wenn ihn die Kinder zum Spielen mitnehmen, freut er sich riesig.

In der Stadt kann sich der Holländische Schäferhund genauso wohl fühlen wie auf dem Land. Er ist relativ anspruchslos und paßt sich einer neuen Umgebung schnell an, braucht aber viel Bewegung, um Körper und Seele im Gleichgewicht zu halten. Seinen männlichen Artgenossen verhält sich der Holländische Schäferhund gern dominant. Wenn Sie ihn unterwegs nicht anleinen, sollten Sie jedenfalls ganz sicher gehen, daß er auf den Rückruf reagiert.

Der Holländische Schäferhund spielt für sein Leben gern und läßt sich bereitwillig von Ihren Kindern streicheln. Kommen jedoch Freunde zum Spielen, so sollten Sie ihm die kleinen Zweibeiner auf jeden Fall vorstellen. Lehren Sie Ihre Kinder von Anfang an, ihren vierbeinigen Freund respektvoll zu behandeln!

Wer endlose Weiten und frische Luft liebt, wird zwischen vier Wänden schnell depressiv. Könnte er selbst wählen, würde er sich immer für ein Leben auf dem Land entscheiden. Der rauhe Naturbursche legt wenig Wert auf Komfort und schläft gern in der Hundehütte, wenn er von klein auf daran gewöhnt wurde. Bedenkenlos dürfen Sie ihm auch Zutritt zum Haus gewähren: Er wird Ihnen niemals den Lieblingssessel streitig machen, wenn er einen gemütlichen Korb zur Verfügung hat. Er weiß genau, wo sein Territorium endet und Ihres beginnt. Das große Grundstück gewährt ihm zwar den nötigen Auslauf, gibt ihm jedoch keine Gelegenheit, soziale Kontakte zu pflegen. Den täglichen Fußmarsch wird Ihnen also selbst das weitläufigste Gelände nicht ersparen.

Ernährung, Pflege:
Der athletische Vierbeiner hat zwar keinen ausgefallenen Geschmack, verschlingt aber gut und gerne 450 g Fleisch am Tag - Gemüse, Reis oder Nudeln natürlich extra. Falls sich der Hund besonders viel bewegt, kommt er mit dieser menge nicht aus, er braucht dann noch zusätzliche Proteine. Sollte er im Alter Fett ansetzen, füttern Sie weniger Fleisch und Reis, erhöhen aber den Gemüseanteil. Natürlich können Sie genauso gut Fertignahrung kaufen. Naß- und Trockenfutter eignen sich gleichermaßen und sind auf jeden Fall praktischer und preiswerter als Hausmannskost. Einziger Nachteil: Das große Geschäft Ihres Vierbeiners fällt damit noch umfangreicher aus. Denken Sie immer daran, seinen Wassernapf gut gefüllt zu halten.

Mit dem kurzhaarigen Schäferhund haben Sie zweifellos am wenigsten Arbeit. Hier reicht alle vierzehn Tage gründliches Bürsten, um Schmutz und tote Haare zu entfernen. Waschen Sie Ihren Hund so gut wie nie. Sein Fell wird nicht leicht schmutzig und reinigt sich ganz von selbst. Pflegen Sie Augen, Ohren und Zähne, lassen Sie ihn regelmäßig entwurmen und von Parasiten befreien, und Sie haben einen prächtigen Gefährten an Ihrer Seite.

Widerristhöhe: Rüden zwischen 57 und 62 cm, Hündinnen zwischen 55 und 60 cm.

Gewicht: Rund 30 kg für beide Geschlechter.

Farbe:
Bei Kurz- und Langhaar braune Grundfarbe mit gold- oder silberfarbener Stromung, schwarze Maske wünschenswert; bei Rauhhaar ist die Grundfarbe blaugrau oder pfeffer-salz-farben, dazu gold- oder silberfarbene Stromung.

Durchschnittliche Lebenserwartung: 12 Jahre

Andere Namen: Shorthaired Dutch Shepherd, Korthaar Hollandse Herdershond.

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