Hunderassen Islandhund

Islandhund (Islandspitz)

Geschichte:
Einige Hundefachleute behaupten, der Islandhund hätte nichts mit dem Buhund, dem norwegischen Schäferhund zu tun, sondern stamme von einem Hund aus Lappland ab. Seine Vorfahren seien Schlittenhunde der Eskimos gewesen, die mit Samojeden gekreuzt wurden. Ein Blick auf den Islandhund genügt, um seine Verwandtschaft mit den anderen Spitzrassen festzustellen. Die Herkunft des Hundes hängt eng mit der Siedlungsgeschichte Island zusammen. Die Insel wurde im 7. Jahrhundert von keltischen und germanischen Sippen besiedelt, die aus Schottland, Irland und Skandinavien kamen. Im 8. und 9. Jahrhundert kamen dann norwegische Bauern nach Island. Man kann davon ausgehen, daß alle diese Siedler ihre Hunde mit auf die Insel brachten, die wohl dem Hundetyp entsprechen, wie er seit der Steinzeit und seit der Zeit der Wikinger in Westskandinavien heimisch war. Im Laufe der Generationen entwickelte sich dann ein neuer Hundetyp, der Islandhund. Er wurde schnell zum unersetzlichen Wächter und Treiber der großen Islandpferde-Herden.

Im 19. Jahrhundert wäre dieser ebenso robuste wie anhängliche Hund beinahe durch die Staupe ausgerottet worden. Für die Schafbesitzer war das ein schwerer Schlag, denn ein guter Hütehund war für sie unentbehrlich. So wird von einem im nördlichen Teil der Insel ansässigen Schäfer berichtet, der eine Fußreise von anderthalb Monaten an die Südostküste unternahm, um dort einen Welpen zu bekommen. Dank einiger Exemplare, die von der Staupe verschont geblieben waren, konnte die Rasse überleben. Vor rund 60 Jahren kam es dann in Island zu einer großen Invasion des Bandwurms. Inzwischen ist man der Seuche Herr geworden, aber das damals erlassene Verbot der Hundehaltung in der Hauptstadt Reykjavik besteht auch heute noch, auch wenn in ganz bestimmten Fällen manchmal Ausnahmen gemacht werden.

Der Isländer Spitz ist sehr begabt. Er ist geschickt, wendig und hat scharfe Augen, deshalb wird er unter anderem darauf abgerichtet, wilden Lachs in den Flüssen seiner Heimat zu jagen. Sein dichtes Fell schützt ihn hervorragend vor dem eiskalten Wasser. Auch wenn man ihn nicht direkt mit dem Norwegischen Lundehund vergleichen kann, so ist auch er bei Jagd nach Papageientauchern ziemlich erfolgreich. Mit den Federn dieser Vögel werden dann Kissen gefüllt, ihre Eier und ihr Fleisch verzehrt. Heutzutage ist der Isländer Spitz in Großbritannien sehr beliebt. In Deutschland ist er nach wie vor nicht besonders bekannt: 1998 gab es nur 32 Einträge in der Welpenstatistik des Verbandes für das Deutsche Hundewesen.

Wesen, Haltung:
Die Isländer sind ein hartes Volk und ihre Hunde sind durch eine harte Schule gegangen. Sie wurden nie verhätschelt oder verwöhnt. Ihre Erziehung lief auf die harte Tour, und der Isländer Spitz hat heute einen Charakter, der durchaus zu der kargen Landschaft und dem rauhen Klima seiner Heimat paßt.

Jahrhundertelang konnte der Islandhund nur unter den härtesten Bedingungen überleben. Ein Hund, der es z. B. gewagt hatte, einen Menschen zu beißen, wurde kurzerhand getötet. Durch eine erbarmungslose Selektion blieben schließlich nur die besten Hunde dieser Rasse übrig. Heute haben wir einen anhänglichen, freundlichen und mit Arbeitswillen und Verantwortungsbewußtsein ausgestatteten Hund vor uns.

Was braucht der Spitz eigentlich? Er möchte sich vor allem zu Hause fühlen bei Ihnen. Ein Eckchen neben dem Kamin, ein zärtliches Streicheln, ein Blick, ein paar Worte, und er ist glücklich. Ein Leben in der Familie gefällt ihm und erinnert ihn an sein Rudel im Hohen Norden. Natürlich muß man ihm zeigen, wer das Sagen hat und darf sich nicht einwickeln lassen vom Temperament und von der Schläue dieses robusten, charakterstarken Hundes. Setzen Sie sich durch, widmen Sie ihm Zeit und Aufmerksamkeit, geben Sie die Richtung an, und er wird absolut glücklich und zufrieden sein. Wenn er nämlich einmal kapiert hat, wer der Chef ist, gibt es keine Probleme mehr.

Der Isländer Spitz hat viel Temperament, ist schnell, energisch und hat einen eisernen Willen. Früher trieb er die Ponys über die kargen Weiden Islands, und dabei mußte er wahrlich lernen, sich mit seiner Stimme und mit dem einen oder anderen Biß in die Haken der Pferde durchzusetzen. Um sie schnell zur Ordnung zu rufen, schnappte er auch mal nach ein paar Schweifhaaren. Als Pferdetreiber war er nicht nur unglaublich nützlich für die Isländer, sondern hat es auch wahrhaftig zu Ruhm und Ehren gebracht. Sein Temperament darf man ihm also heute nicht vorwerfen! Er muß sich nach Herzenslust verausgaben können, um sich wirklich wohl zu fühlen. Wenn er glaubt, jemand wolle ihm sein Fressen wegnehmen, kann er übrigens recht sauer werden. Außerdem möchte er gern andere Hunde dominieren, selbst die ganz großen. Also Vorsicht!

Er liebt Kinder über alles und kann mit ihnen seinen Beschützerinstinkt voll ausleben. Zum Spielen ist er eigentlich immer aufgelegt und läßt sich auch mal am Schwanz oder an den Ohren zupfen, ohne gleich ärgerlich zu werden. Aber alles in Maßen, und das müssen Sie Ihrer Rasselbande beibringen!

In seinem Herzen ist die Erinnerung an die Weiten Islands lebendig. Bieten Sie ihm genug Platz, damit er sich austoben kann. Flüsse und Seen liebt er über alles. Auch Schnee und die Berge faszinieren ihn, und Sie müssen ihn nicht lange bitten, wenn es um eine größere Wanderung geht. Er braucht viel Auslauf, um fit zu bleiben. Im Garten möchte er ein geschütztes Plätzchen ganz für sich allein, eine Hundehütte aus Stein oder Holz.

Ernährung, Pflege:
Beim Fressen ist dieser Hund ziemlich unkompliziert. Er mag alles, er frißt alles, und er hat sogar die ärgerliche Angewohnheit, Mülleimer zu durchstöbern. Ein 15 kg schwerer Hund braucht 225 g Fleisch pro Tag, dazu 110 g Gemüse und 110 g Reis, Nudeln oder Hundeflocken. Vergessen Sie nicht, ihm zusätzliche Vitamine und Mineralien zu füttern und seinen Wassernapf immer wieder frisch zu füllen. Dieser echte Nordländer liebt Fisch über alles. In Island war Fisch jahrhundertelang sein wichtigstes Grundnahrungsmittel. Nachdem Sie den Kopf und die Gräten entfernt haben, können Sie ihm den Fisch entweder roh, gekocht oder sogar geräuchert geben.

Sein Haar ist dicht und robust, doch sein weißes, falb- oder goldfarbenes Fell braucht eine gewisse Pflege. Nach einem Wochenendeausflug auf dem Land sollten Sie ihn unbedingt auf Zecken und andere Parasiten untersuchen. Dreimal im Jahr müssen Sie ihn gründlich "reinigen", dazu gehört ausgiebiges Bürsten, Nagel- und Augenkontrolle, Ausputzen der Ohren, Wannebad mit anschließendem Abtrocknen.

Widerristhöhe: Bei Rüden zwischen 42 und 48 cm, Hündinnen zwischen 38 und 44 cm.

Gewicht: Durchschnittlich 15 kg für beide Geschlechter.

Farbe: Alle Farben erlaubt; Einfarbigkeit bevorzugt.

Durchschnittliche Lebenserwartung: 12 Jahre

Andere Namen: Iceland Sheepdog, Iceland Spitz.

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